Ergebnisse der Delphi Studie – Der Kompetenzpool

Domäne

Item

Pflegepersonal…

Eigene Rolle:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt Kenntnisse über die eigene Rolle innerhalb des Krankenhausalarmplans im Katastrophenfall.

1.1 …kennt die eigene Rolle innerhalb der Hierarchie und Befehlskette.

1.2 …kennt die Verfahren der Berichterstattung zu vorliegenden und potentiellen Gesundheitsbedrohungen innerhalb der Befehlskette.

1.3 …kennt die eigene Rolle bei der Kommunikation im Krankenhaus.

1.4 …kennt die eigene Rolle bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit (einschl. Patienten und deren Angehörige).

1.5 …kennt die eigene Rolle (Aufgaben und Grenzen) bei der Kommunikation mit Medien und Presse.

1.6 …kennt die eigene Rolle bei der Kommunikation mit persönlichen Kontakten (eigene Familie und Freunde).

Situationsbewusstsein:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor ist sich im Katastrophenfall vorhandener und potentieller gesundheitlicher Bedrohungen ständig bewusst.

2.1 … erkennt die generellen Anzeichen und epidemiologischen Hinweise (z.B. Häufung von Krankheitsfällen), die auf den Beginn, bzw. die Verschärfung einer Katastrophensituation hinweisen.

2.2 … führt eine zügige Erhebung/ Bestandsaufnahme der Situation und des Versorgungsbedarfs durch.

2.3 … beurteilt die Auswirkungen pflegerischer Maßnahmen und korrigiert ggf. Versorgungsentscheidungen

Kommunikation:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor kommuniziert während des Katastrophenfalls effektiv mit anderen.

3.1 … identifiziert maßgebliche/ zuverlässige Informationsquellen im Katastrophenfall.

3.2 …berücksichtigt die spezifischen Bedürfnisse aller Alters- und Bevölkerungsgruppen bei der Kommunikation von Risiken in Notfall- und Krisensituationen.

3.3 … kennt Strategien für einen angemessenen bzw. kontrollierten Informationsaustausch im Rahmen des Katastrophenfalls (für welche Empfänger sind welche Informationen geeignet?).

3.4 … erkennt die kulturellen Herausforderungen bei der Entwicklung und Verbreitung von Risikoinformationen.

3.5 … kommuniziert angemessen und zeigt soziale Kompetenz in pflegerischen Beziehungen mit Patienten und Angehörigen.

3.6 …koordiniert Informationen innerhalb des multidisziplinären Krisenreaktionsteams.

3.7 …identifiziert und kommuniziert wichtige Informationen zügig an entsprechende übergeordnete Instanzen (z.B. Einsatzleitung).

3.8 verwendet Notfall-Kommunikationsvorrichtungen korrekt.

Sicherheit:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor wendet innerhalb eines Katastrophenfalls personenbezogene Sicherheitsmaßnahmen an.

4.1 … kennt die allgemeinen, gesundheits-, und sicherheitsbezogenen Risiken im Katastrophenfall.

4.2 … kennt Maßnahmen, die zur Entschärfung oder Vorbeugung einer Gefahrenexposition eingesetzt werden können.

4.3 … erkennt die Symptome übertragbarer Erkrankungen

4.4 … erkennt die Anzeichen und Symptome einer Exposition durch chemische, biologische, radiologische, nukleare und explosive Substanzen.

4.5 … kennt die Eigenschutzmaßnahmen und die persönliche Schutzausrüstung.

4.6 … verwendet die persönliche Schutzausrüstung korrekt.

4.7 … wendet pflegerische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer sicheren Umgebung für den Patienten an.

4.8 … stellt den Bedarf für Isolations-, Quarantäne- und Dekontaminationsmaßnahmen korrekt fest.

4.9 … ergreift Isolations-, Quarantäne- und Dekontaminationsmaßnahmen bedarfsgerecht.

Versorgungskapazitäten:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt entsprechend der eigenen Rolle innerhalb des Krankenhausalarmplans Kenntnisse über die Versorgungskapazitäten (Kapazitäten, die für den Katastrophenfall einsatzbereit sind – surge capacity).

5.1 … identifiziert die für den Katastrophenfall im Krankenhaus verfügbaren Versorgungskapazitäten (z.B. zusätzliche Betten).

5.2 b …, welches Mitglied der KEL (Krankenhauseinsatzleitung) ist, kennt die Versorgungskapazitäten,die außerhalb des Krankenhauses für den Katastrophenfall verfügbar sind (z.B. schnell lieferbare Medikamente).

5.3 a …, welches in der Notaufnahme im Einsatz ist, kennt die potentiellen Auswirkungen der Katastrophensituation auf die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von klinischen und öffentlichen Ressourcen.

5.3 b …, welches Mitglied der KEL (Krankenhauseinsatzleitung) ist, kennt die potentiellen Auswirkungen der Katastrophensituation auf die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von klinischen und öffentlichen Ressourcen

Klinisches Management:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt, entsprechend dem eigenen Handlungsspielraum, Kenntnisse über Theorie und Praxis der klinischen Versorgung der Individuen aller betroffenen Alters- und Bevölkerungsgruppen innerhalb einer Katastrophe oder einer Krisensituation, welche die Gesundheit und Versorgung der Bevölkerung gefährdet.

6.1 …kennt die typischen körperlichen und psychischen krisensituationsbedingten Gesundheitsfolgen für alle betroffenen Alters- und Bevölkerungsgruppen.

6.2 …kennt die Funktion der Sichtung (Triage) als Grundlage für eine prioritätsgeleitete Zuteilung/Rationierung von Gesundheitsleistungen.

6.3 …kennt die Bedeutung und die Abläufe lebensrettender Basis-Maßnahmen, die in der Krisensituation möglich sind.

6.4 …führt eine anamnese- und altersentsprechende Untersuchung durch, die krisenbedingte physische und psychologische Reaktionen berücksichtigt.

6.5 …erkennt eine individuelle krisenbedingte Verhaltensreaktion bei überlebenden Patienten und bei deren Angehörigen.

6.6 a …ergreift Basismaßnahmen zur psychologischen Unterstützung von überlebenden Patienten und deren Angehörigen (z.B. psychologische Erste Hilfe).

6.6 b… ergreift Maßnahmen zur psychologischen Unterstützung von überlebenden Patienten und deren Angehörigen (z.B. Aufzeigen von Bewältigungsstrategien), wenn es keine spezielle seelsorgerische Versorgung gibt.

6.7 …leitet überlebende Patienten entsprechend der individuellen körperlichen und

psychischen Versorgungsbedürfnisse an andere Fachdisziplinen weiter.

6.8 …erkennt mögliche individuelle krisenbedingte Verhaltensreaktionen bei Helfenden.

6.9 a … ergreift Basismaßnahmen zur psychologischen Unterstützung von Helfenden (z.B. psychologische Erste Hilfe).

6.9 b … ergreift Maßnahmen zur psychologischen Unterstützung von Helfenden (z.B. Aufzeigen von Bewältigungsstrategien), wenn es keine spezielle seelsorgerische Versorgung gibt.

6.10 … berücksichtigt körperliche und psychische Versorgungsbedürfnisse von Helfern und leitet sie ggf. an andere Fachdisziplinen weiter.

6.11 …leistet therapeutische Basis-Maßnahmen: z.B. Erste Hilfe, Sauerstoffgabe/ Beatmung, Primärversorgung von Wunden und Infusionstherapie.

6.12 …zeigt einen sicheren Umgang bei der Verabreichung von Arzneimitteln über die verschiedenen Applikationswege (oral, subkutan, intramuskulär und intravenös), insbesondere bei vasoaktiven und analgesierenden Substanzen.

6.13 …bereitet Patienten für den Weitertransport (z.B. Verlegung) vor, einschließlich Maßnahmen zur Patientensicherheit, wie Schienung, Immobilisierung und Monitoring.

6.14 …führt während und nach der Krisensituation eine angemessene Dokumentation der Notfallversorgung durch, einschließlich der Dokumentation von Beurteilungen, Interventionen, Pflegemaßnahmen und Versorgungseffekten.

6.15 …zeigt kritisches, kreatives und flexibles Denken, um Lösungen für Pflegeprobleme zu entwickeln, die aus der Krisensituation entstehen.

6.16 …passt Pflegestandards an die in der Krisensituation verfügbaren Ressourcen und den Versorgungsbedarf der Patienten an.

6.17 …versteht, wie Pflege in Krisensituationen zu priorisieren ist und vielschichtige/chaotische Situationen beherrscht werden können.

6.18 …erkennt die eigenen wissens-, fähigkeits- und rollenbezogenen Grenzen und identifiziert wenn diese Grenzen erreicht sind die zuständigen Anlaufstellen.

6.19 …delegiert Maßnahmen an Andere in Übereinstimmung mit der fachlichen Praxis gültigen Gesetzen und Vorschriften und entsprechend der Krisensituation.

Public Health:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt Kenntnisse über die öffentliche Gesundheitsversorgung aller im Katastrophenfall betroffenen Alters- und Bevölkerungsgruppen.

7.1 … kennt häufig auftretende Konsequenzen von Katastrophenfällen für die öffentliche Gesundheitsversorgung.

7.2 …identifiziert die Individuen aller Alters- und Bevölkerungsgruppen mit besonderem Versorgungsbedarf (z.B. Menschen mit geistigen und/oder körperlichen Behinderungen, Kinder, ältere Menschen(, deren Gesundheit im Katastrophenfall besonders verletzlich sein dürfte.

7.3 … kennt Maßnahmen zur Linderung katastrophenbedingter Gesundheitsschäden, die die besonderen Versorgungsbedürfnisse verletzlicher Individuen (z.B. behinderte Menschen) berücksichtigen.

7.4 … kennt die allgemeinen Maßnahmen der öffentlichen Gesundheitsversorgung zum Schutz aller Alters- und Bevölkerungsgruppen im Katastrophenfall.

7.5 …wendet Pflegemaßnahmen an, welche die Bedürfnisse von Individuen besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen im Krisenfall berücksichtigen.

7.6.a … veranlasst bei der Versorgung besonders verletzlicher Individuen (z.B. behinderte Menschen) angemessene Überweisungen.

7.6.b … kooperiert bei der Versorgung besonders verletzlicher Individuen (z.B. behinderte Menschen) bedarfsgerecht mit Hilfsorganisationen.

7.7.a … welches Mitglied der KEL (Krankenhauseinsatzleitung) ist, arbeitet mit geeigneten Personen und Einrichtungen zusammen, um Überlebende mit Familienmitgliedern und Nahestehenden wieder zusammenzubringen.

Ethik:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt Kenntnisse über die ethischen Grundsätze zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit aller im Katastrophenfall betroffenen Alters- und Bevölkerungsgruppen.

 

8.1 …ist sich den besonderen ethischen Herausforderungen bewusst, die mit krisenbezogenen Versorgungsstandards in Verbindung stehen.

8.2 … ist sich den besonderen ethischen Herausforderungen bewusst, die mit der Zuteilung knapper/begrenzter Ressourcen im Katastrophenfall im Zusammenhang stehen.

8.3 a … berücksichtigt den individuellen kulturellen, sozialen und religiösen Hintergrund der zu versorgenden Patienten.

8.3 b … berücksichtigt den individuellen kulturellen, sozialen und religiösen Hintergrund der Angehörigen von Patienten.

8.4 a … berücksichtigt den kulturellen, sozialen und religiösen Hintergrund Verstorbener.

8.4 b … berücksichtigt den kulturellen, sozialen und religiösen Hintergrund der Angehörigen von Verstorbenen

8.5 … bewahrt Vertraulichkeit im Rahmen der Kommunikation und Dokumentation.

8.6 … schätzt Rechte, Werte und Würde von Individuen und Gemeinschaften

Recht:

Kernkompetenz: Jede(r) Professionelle im Gesundheitssektor zeigt Kenntnisse über Rechtsgrundsätze zum Schutz der Gesundheit und Sicherheit aller im Katastrophenfall betroffenen Alters- und Bevölkerungsgruppen.

 

9.1 …kennt die wesentlichen rechtlichen Fragestellungen in Bezug auf krisenbezogene Versorgungsstandards.

9.2 … kennt die wesentlichen rechtlichen Fragestellungen hinsichtlich der Zuteilung knapper/begrenzter Ressourcen im Katastrophenfall.

9.3 … kennt die wesentlichen Rechtsvorschriften mit Bezug zur Gesundheitsversorgung, die im offiziell erklärten Krisenfall in Kraft treten oder geändert werden.

9.4 … kennt katastrophenspezifische Rechtsvorschriften und versteht deren Einfluss.

auf die Pflegetätigkeit und deren Konsequenzen für die Überlebenden.